Karl Marx / Friedrich Engels
Manager sind Lohnarbeiter
"Mit der
Entwicklung der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise wo viele
Arbeiter an der Produktion derselben Ware zusammenarbeiten, muss natürlich
das Verhältnis, worin ihre Arbeit unmittelbar zum Gegenstand der
Produktion steht, sehr verschieden sein. Z.B. die ... Handlanger in einer
Fabrik haben nichts direkt mit der Bearbeitung des Rohstoffs zu tun. Die
Arbeiter, die die Aufseher der direkt mit dieser Bearbeitung zu tun
Habenden bilden, stehen einen Schritt weiter ab; der Ingenieur hat wieder
ein andres Verhältnis und arbeitet hauptsächlich mit seinem Kopfe etc.
Aber das Ganze dieser Arbeiter, die Arbeitsvermögen von verschiednem Werte
besitzen, ... produzieren das Resultat...; und alle zusammen, als
Werkstatt, sind die lebendige Produktionsmaschine dieser Produkte, wie
sie, den gesamten Produktionsprozess betrachtet, ihre Arbeit gegen Kapital
austauschen und das Geld der Kapitalisten als Kapital reproduzieren, d.h.
als sich verwertenden Wert, sich vergrößernden Wert. Es ist ja eben das
Eigentümliche der kapitalistischen Produktionsweise, die verschiedenen
Arbeiten, also auch die Kopf- und Handarbeiten — oder die Arbeiten, in
denen die eine oder die andre Seite vorwiegt, — zu trennen und an
verschiedene Personen zu verteilen, was jedoch nicht hindert, dass das
materielle Produkt das gemeinsame Produkt dieser Personen ist oder ihr
gemeinsames Produkt in materiellem Reichtum vergegenständlicht; was
andrerseits ebenso wenig hindert oder gar nichts daran ändert, dass das
Verhältnis jeder einzelnen dieser Personen das des Lohnarbeiters zum
Kapital und in diesem eminenten Sinn das des produktiven Arbeiters ist.
Alle diese Personen sind nicht nur unmittelbar in der Produktion von
materiellem Reichtum beschäftigt, sondern sie tauschen ihre Arbeit
unmittelbar gegen das Geld als Kapital aus und reproduzieren daher
unmittelbar außer ihrem Lohn einen Mehrwert für den Kapitalisten. Ihre
Arbeit besteht aus bezahlter Arbeit plus unbezahlter Mehrarbeit." (K.
Marx, Theorien über den Mehrwert I., MEW 26.1, 386f.) "A. Smith (schließt)
natürlich ein in die Arbeit, die sich fixiert und realisiert in einer
käuflichen und tauschbaren Ware, alle intellektuellen Arbeiten, die direkt
in der materiellen Produktion konsumiert werden. Nicht nur der direkte
Handarbeiter oder Maschinenarbeiter, sondern Aufseher, Ingenieur, Manager,
Commis (Geschäftsführer) etc., kurz die Arbeit des ganzen Personals, das
in einer bestimmten Sphäre der materiellen Produktion nötig ist, um eine
bestimmte Ware zu produzieren, dessen Zusammenwirken von Arbeiten
(Kooperation) notwendig zur Herstellung der Waren ist. In der Tat fügen
sie dem konstanten Kapital ihre Gesamtarbeit hinzu und erhöhen den Wert
des Produkts um diesen Betrag." (K. Marx, Theorien über den Mehrwert I.,
MEW 26.1, 134) "Wie der Kapitalist zunächst entbunden wird von der
Handarbeit, sobald sein Kapital jene Minimalgröße erreicht hat, womit die
eigentlich kapitalistische Produktion erst beginnt, so tritt er jetzt mit
wachsender Unternehmensgröße die Funktion unmittelbarer und fortwährender
Beaufsichtigung der einzelnen Arbeiter und Arbeitergruppen selbst wieder
ab an eine besondre Sorte von Lohnarbeitern... (Manager, ...
Arbeitsaufseher...), die während des Arbeitsprozesses im Namen des
Kapitals kommandieren. Die Arbeit der Oberaufsicht befestigt sich zu ihrer
ausschließlichen Funktion." (K. Marx, Kapital I. MEW 23, 351) "... Ein
Teil des Arbeitslohnes (erscheint) auf Basis der kapitalistischen
Produktionsweise, als integrierender Bestandteil des Profits. Dieser Teil
... stellt sich rein dar, selbständig und gänzlich getrennt einerseits vom
Profit (als Summe von Zins und Unternehmergewinn), andererseits von dem
Teil des Profits, der nach Abzug des Zinses als so genannter
Unternehmergewinn übrig bleibt, in dem Gehalt des Managers in solchen
Geschäftszweigen, deren Ausdehnung usw. hinreichende Teilung der Arbeit
erlaubt, um besonderen Arbeitslohn für einen Manager zu gestatten." (K.
Marx, Kapital 3. S. 396f.) Moderne Großunternehmen „sind nicht Eigentum
einzelner Kapitalisten, die ihr Geschäft selbst leiten, sondern von
Aktiengesellschaften, deren Betrieb von bezahlten Angestellten geleitet
wird, von Dienern, die in jeder Hinsicht die Position höhergestellter,
besser bezahlter Arbeiter einnehmen. ... Die gesellschaftliche Funktion
des Kapitalisten ist hier auf besoldete Diener übergegangen; aber der
Kapitalist streicht nach wie vor in Gestalt seiner Dividenden die
Bezahlung für jene Funktionen ein, obwohl er sie nicht mehr ausübt." (F.
Engels, Gesellschaftsklassen, MEW 19, 288f.)
Soweit Manager notwendige
Leitungsarbeit verrichten, sind sie produktive Arbeiter, soweit sie
Ausbeuterfunktionen verrichten (Einstellungen und Entlassungen,
Disziplinierungen, Lohnfestsetzungen, Festsetzung der Arbeitsbedingungen
usw.) sind sie Handlanger des Kapitals
"Die Arbeit
der Oberaufsicht und Leitung entspringt notwendig überall, wo der
unmittelbare Produktionsprozess die Gestalt eines gesellschaftlich
kombinierten Prozesses hat und nicht als vereinzelte Arbeit der
selbständigen Produzenten auftritt. Sie ist aber doppelter Natur.
Einerseits in allen Arbeiten, worin viele Individuen kooperieren, stellt
sich notwendig der Zusammenhang und die Einheit des Prozesses in einem
kommandierenden Willen dar, und in Funktionen, die nicht die Teilarbeiten,
sondern die Gesamttätigkeit der Werkstatt betreffen, wie bei einem
Dirigent eines Orchesters. Es ist dies eine produktive Arbeit, die
verrichtet werden muss in jeder kombinierten Produktionsweise.
Andererseits ... entspringt diese Arbeit der Oberaufsicht notwendig in
allen Produktionsweisen, die auf dem Gegensatz zwischen dem Arbeiter als
dem unmittelbaren Produzenten und dem Eigentümer der Produktionsmittel
beruhen. Je größer dieser Gegensatz, desto größer ist die Rolle, die diese
Arbeit der Oberaufsicht spielt. Sie erreicht daher ihr Maximum im
Sklavensystem. Sie ist aber auch in der kapitalistischen Produktionsweise
unentbehrlich, da hier der Produktionsprozess zugleich Konsumtionsprozess
der Arbeitskraft durch den Kapitalisten ist." (K. Marx, Kapital 3. S. 397)
"Die Arbeit der Oberaufsicht und Leitung, soweit sie aus dem
gegensätzlichen Charakter, aus der Herrschaft des Kapitals über die Arbeit
entspringt und daher allen auf dem Klassengegensatz beruhenden
Produktionsweisen mit der kapitalistischen gemeinsam ist, ist auch im
kapitalistischen System unmittelbar und unzertrennbar verquickt mit den
produktiven Funktionen, die alle kombinierte gesellschaftliche Arbeit
einzelnen Individuen als besondere Arbeit auferlegt. Der Arbeitslohn eines
... Managers oder Regisseur, wie er im feudalen Frankreich hieß, trennt
sich vollständig vom Profit und nimmt auch die Form des Arbeitslohns für
geschickte Arbeit an, sobald das Geschäft auf hinreichend großer
Stufenleiter betrieben wird, um einen solchen Dirigenten (Manager) zu
zahlen... Dass nicht die industriellen Kapitalisten, sondern die
industriellen Manager ‚die Seele unseres Industriesystems‘ sind, hat schon
Herr Ure bemerkt. ... Die kapitalistische Produktion selbst hat es dahin
gebracht, dass die Arbeit der Oberleitung, ganz getrennt vom
Kapitaleigentum, auf der Straße herumläuft. Es ist daher nutzlos geworden,
dass diese Arbeit der Oberleitung vom Kapitalisten ausgeübt werde. Ein
Musikdirektor braucht durchaus nicht Eigentümer der Instrumente des
Orchesters zu sein, noch gehört es zu seiner Funktion als Dirigent, dass
er irgendetwas mit dem „Lohn“ der übrigen Musikanten zu tun hat. Die
Kooperativfabriken liefern den Beweis, dass der Kapitalist als Funktionär
der Produktion ebenso überflüssig geworden, wie er selbst ... den
Großgrundbesitzer überflüssig findet. Soweit die Arbeit des Kapitalisten
... sich nicht auf die Funktion beschränkt, fremde Arbeit auszubeuten;
soweit sie also aus der Form der Arbeit als gesellschaftlicher hervorgeht,
aus der Kombination und Kooperation vieler zu einem gemeinsamen Resultat,
ist sie ganz ebenso unabhängig vom Kapital, wie diese Form selbst, sobald
sie die kapitalistische Hülle gesprengt hat." (K. Marx, Kapital III. MEW
25, 398 - 401) "Der Verwaltungslohn, sowohl für den kaufmännischen wie den
industriellen Manager, erscheint vollständig getrennt vom
Unternehmergewinn sowohl in den Kooperativfabriken der Arbeiter wie in den
kapitalistischen Aktienunternehmungen. Die Trennung des Verwaltungslohns
vom Unternehmergewinn, die sonst zufällig erscheint, ist hier konstant.
Bei der Kooperativfabrik fällt der gegensätzliche Charakter der
Aufsichtsarbeit weg, indem der Manager von den Arbeitern bezahlt wird,
statt ihnen gegenüber das Kapital zu vertreten. Die Aktienunternehmungen
überhaupt ... haben die Tendenz, diese Verwaltungsarbeit mehr und mehr zu
trennen von dem Besitz des Kapitals, sei es eigenes oder geborgtes..." (K.
Marx, Kapital 3. S. 401) "Die Verwechslung des Unternehmergewinns mit dem
Aufsichts- oder Verwaltungslohn entstand ursprünglich aus der
gegensätzlichen Form, die der Überschuss des Profits über den Gegensatz
zum Zins annimmt. Sie wurde weiter entwickelt aus der apologetischen
Absicht, den Profit nicht als Mehrwert, d.h. als unbezahlte Arbeit,
sondern als Arbeitslohn des Kapitalisten selbst für verrichtete Arbeit
darzustellen. Dem stellte sich dann von Seiten der Sozialisten die
Forderung gegenüber, den Profit faktisch auf das zu reduzieren, was er
theoretisch zu sein vorgab, nämlich auf bloßen Aufsichtslohn. Und diese
Forderung trat der theoretischen Beschönigung um so unangenehmer entgegen,
je mehr dieser Aufsichtslohn einerseits sein bestimmtes Niveau und seinen
bestimmten Marktpreis fand, wie aller andere Arbeitslohn, mit der Bildung
einer zahlreichen Klasse industrieller und kommerzieller Manager; und je
mehr er andererseits sank, wie aller Lohn für geschickte Arbeit, mit der
allgemeinen Entwicklung, die die Produktionskosten spezifisch geschulter
Arbeitskraft herabsetzt." (K. Marx, Kapital 3. S. 402)
Die Trennung des
Eigentums an den Produktionsmitteln
von den früher damit verbundenen Leitungsfunktionen
ist ein notwendiger Entwicklungsschritt zum Kommunismus
"Mit der
Entwicklung der Kooperation auf Seiten der Arbeiter, der
Aktienunternehmungen auf Seiten der Bourgeoisie wurde auch der letzte
Vorwand zur Verwechslung des Unternehmergewinns mit dem Verwaltungslohn
unter den Füßen weggezogen und erschien der Profit auch praktisch, als was
er theoretisch unleugbar war, als bloßer Mehrwert, Wert, für den kein
Äquivalent gezahlt ist..." (K. Marx, Kapital 3. S. 403.) "Die
kapitalistische Produktion selbst hat es dahin gebracht, dass die Arbeit
der Oberleitung, ganz getrennt vom Kapitaleigentum, auf der Straße
herumläuft. Es ist daher nutzlos geworden, dass diese Arbeit der
Oberleitung vom Kapitalisten ausgeübt werde. Ein Musikdirektor braucht
durchaus nicht Eigentümer der Instrumente des Orchesters zu sein, noch
gehört es zu seiner Funktion als Dirigent, dass er irgendetwas mit dem
‚Lohn’ der übrigen Musikanten zu tun hat. Die Kooperativfabriken liefern
den Beweis, dass der Kapitalist als Funktionär der Produktion ebenso
überflüssig geworden, wie der Kapitalist selbst ... den Großgrundbesitzer
überflüssig findet." (K. Marx, Kapital 3. S. 400) "Das Kapital, das an
sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine
gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften
voraussetzt, erhält in den Aktiengesellschaften direkt die Form von
Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) ... Es ist
die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der
kapitalistischen Produktionsweise selbst. ... Verwandlung des wirklich
fungierenden Kapitalisten in einen bloßen Manager, Verwalter fremdes
Kapitals, und der Kapitaleigentümer in bloße Eigentümer, bloße
Geldkapitalisten. Selbst wenn die Dividenden, die sie beziehen, den Zins
und Unternehmergewinn, d.h. den Totalprofit einschließen (denn das Gehalt
des Managers ist, ... bloßer Arbeitslohn einer gewissen Art geschickter
Arbeit, deren Preis im Arbeitsmarkt reguliert wird, wie der jeder anderen
Arbeit), so wird dieser Totalprofit nur noch bezogen in der Form des
Zinses, d.h. als bloße Vergütung des Kapitaleigentums, das nun ganz so von
der Funktion im wirklichen Reproduktionsprozess getrennt wird wie diese
Funktion, in der Person des Managers, vom Kapitaleigentum. ... In den
Aktiengesellschaften ist die Funktion getrennt vom Kapitaleigentum, also
auch die Arbeit gänzlich getrennt vom Eigentum an den Produktionsmitteln
und an der Mehrarbeit. Es ist dies Resultat der höchsten Entwicklung der
kapitalistischen Produktion ein notwendiger Durchgangspunkt zur
Rückverwandlung des Kapitals in Eigentum der Produzenten, aber nicht mehr
als das Privateigentum vereinzelter Produzenten, sondern als das Eigentum
ihrer als assoziierter, als unmittelbares Gesellschaftseigentum. Es ist
andererseits Durchgangspunkt zur Verwandlung aller mit dem Kapitaleigentum
bisher noch verknüpften Funktionen im Reproduktionsprozess in bloße
Funktionen der assoziierten Produzenten, in gesellschaftliche Funktionen."
(K. Marx, Kapital III. MEW 25, 452f.) "Zwei Haupttatsachen der
kapitalistischen Produktion: Erstens Konzentration der Produktionsmittel
in wenigen Händen, wodurch sie aufhören, als unmittelbares Eigentum des
einzelnen Arbeiters zu erscheinen, sondern als Potenzen der
gesellschaftlichen Produktion, wenn auch noch zunächst als Eigentum der
nicht arbeitenden Kapitalisten; diese sind ihre Treuhänder in der
bürgerlichen Gesellschaft und genießen alle Früchte dieser Treuhandschaft.
Zweitens: Organisation der Arbeit selbst als gesellschaftliche durch
Kooperation, Teilung der Arbeit und Verbindung der Arbeit mit den
Resultaten der gesellschaftlichen Herrschaft über die Naturkräfte. Nach
beiden Seiten hin hebt die kapitalistische Produktion Privateigentum und
Privatarbeit auf, wenn auch noch in gegensätzlichen Formen." (K. Marx,
Theorien über den Mehrwert III. MEW 26.3, 418.)
Die selbstbestimmte
Wirtschaft ist eine große Produzenten-Genossenschaft ohne Lohnarbeit und
ohne Chefs. Die Leitungsarbeit wird abwechselnd an alle Mitglieder
auftragsgebunden und zeitlich befristet delegiert.
"... Die
fortschreitende industrielle Entwicklung (hat) ... die Einzelarbeit in
allen großen Industriezweigen längst vernichtet ... und vernichtet sie in
den kleineren und kleinsten Zweigen täglich mehr; die industrielle
Entwicklung setzt an ihre Stelle die gesellschaftliche Arbeit...,
unterstützt von Maschinen und dienstbar gemachten Naturkräften, deren
fertiges, sofort austauschbares oder verbrauchbares Produkt das gemeinsame
Werk vieler Einzelner ist, durch deren Hände (und Köpfe) es hat gehen
müssen. Und gerade durch diese industrielle Revolution hat die
Produktionskraft der menschlichen Arbeit einen solchen Höhegrad erreicht,
dass die Möglichkeit gegeben ist - zum ersten Mal, solange Menschen
existieren -, bei verständiger Verteilung der Arbeit unter alle, nicht nur
genug für die reichliche Konsumtion aller Gesellschaftsmitglieder und für
einen ausgiebigen Reservefonds hervorzubringen, sondern auch jedem
Einzelnen hinreichend Muße zu lassen, damit dasjenige, was aus der
geschichtlich überkommenen Bildung - Wissenschaft, Kunst, Umgangsformen
usw. - wirklich wert ist, erhalten zu werden, nicht nur erhalten, sondern
aus einem Monopol der herrschenden Klasse in ein Gemeingut der ganzen
Gesellschaft verwandelt und weiter vorgebildet werde. Und hier liegt der
entscheidende Punkt. Sobald die Produktionskraft der menschlichen Arbeit
sich bis auf diesen Höhegrad entwickelt hat, verschwindet jeder Vorwand
für den Bestand einer herrschenden Klasse. War doch der letzte Grund,
womit der Klassenunterschied verteidigt wurde, stets: Es muss eine Klasse
geben, die sich nicht mit der Produktion ihres täglichen Lebensunterhalts
abzuplacken hat, damit sie Zeit behält, die geistige Arbeit der
Gesellschaft zu besorgen. Diesem Gerede, das bisher seine große
geschichtliche Berechtigung hatte, ist durch die industrielle Revolution
der letzten hundert Jahre ein für allemal die Wurzel abgeschnitten." (F.
Engels, Wohnungsfrage, MEW 18, 220f.) "Aber wenn hiernach die Einteilung
in Klassen eine gewisse geschichtliche Berechtigung hat, so hat sie eine
solche doch nur für einen gegebenen Zeitraum, für gegebene
gesellschaftliche Bedingungen. Sie gründet sich auf die Unzulänglichkeit
der Produktion; sie wird weggefegt werden durch die volle Entfaltung der
modernen Produktivkräfte. Und in der Tat hat die Abschaffung der
gesellschaftlichen Klassen zur Voraussetzung einen geschichtlichen
Entwicklungsgrad, auf dem das Bestehen nicht bloß dieser oder jener
bestimmten herrschenden Klasse, sondern einer herrschenden Klasse
überhaupt, also des Klassenunterschiedes selbst ... veraltet ist. Sie hat
also zur Voraussetzung einen Höhegrad der Entwicklung der Produktion, auf
dem die Aneignung der Produktionsmittel und Produkte und damit der
politischen Herrschaft, des Monopols der Bildung und der geistigen Leitung
durch eine besondere Gesellschaftsklasse nicht nur überflüssig, sondern
auch ökonomisch, politisch und intellektuell ein Hindernis der Entwicklung
geworden ist. Dieser Punkt ist jetzt erreicht." (F. Engels, Entwicklung
des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, MEW 19, 225) "Die freie
Arbeit entwickelt sich innerhalb der kapitalistischen Produktion als
gesellschaftliche Arbeit. Dass sie Eigentümer der Produktionsbedingungen
wird, heißt also, dass diese den vergesellschafteten Arbeitern gehören und
diese als solche produzieren, ihre eigene Produktion ... sich als
vergesellschaftete unterordnen." (K. Marx, Theorien über den Mehrwert III,
MEW 26.3, 514) "Wir anerkennen die Kooperativbewegung als eine der
Triebkräfte zur Umwandlung der gegenwärtigen Gesellschaft; die auf
Klassengegensätzen beruht. Ihr großes Verdienst besteht darin, praktisch
zu zeigen, dass das bestehende despotische und Armut hervorbringende
System der Unterjochung der Arbeit unter das Kapital verdrängt werden kann
durch das demokratische und segensreiche System der Assoziation von freien
und gleichen Produzenten." (K. Marx, Forderungen der IAA, MEW 16, 195)
"Und dass wir beim Übergang in die volle kommunistische Wirtschaft den
genossenschaftlichen Betrieb als Mittelstufe in ausgedehntem Maß werden
anwenden müssen, daran haben Marx und ich nie gezweifelt. Nur muss die
Sache so eingerichtet werden, dass die Gesellschaft ... das Eigentum an
den Produktionsmitteln behält und so die Sonderinteressen der
Genossenschaft, gegenüber der Gesellschaft im Ganzen, sich nicht
festsetzen können." (F. Engels an Bebel, 20.1.1886. MEW 36, 426) "Dies ist
der sehr große Unterschied: Ob die vorhandenen Produktionsmittel den
Arbeitenden als Kapital gegenüberstehen, ... ob diese Produktionsmittel
sie beschäftigen, oder ob sie, als Subjekte, die Produktionsmittel - im
Akkusativ - anwenden, um Reichtum für sich selbst zu erzeugen. Natürlich
ist dabei vorausgesetzt, dass die kapitalistische Produktion bereits die
Produktivkräfte der Arbeit überhaupt zu der nötigen Höhe entwickelt hat,
worauf diese Revolution eintreten kann.“ K. Marx, Theorien über den
Mehrwert II., MEW 26.2, 583. "... die Gesellschaft (konnte) doch niemals
ohne eine Klasse von Produzenten leben. Diese Klasse ist also unter allen
Umständen notwendig - wenn auch die Zeit kommen muss, in der sie nicht
länger eine Klasse sein, sondern die ganze Gesellschaft umfassen wird."
(F. Engels, Gesellschaftsklassen, MEW 19, 287) "Einmal die Arbeit
emanzipiert, so wird jeder Mensch ein Arbeiter, und produktive Arbeit hört
auf, eine Klasseneigenschaft zu sein." (K. Marx, Bürgerkrieg in
Frankreich, 1871, MEW 17, 342) "Im planmäßigen Zusammenwirken mit andern
streift der Arbeiter seine individuellen Schranken ab und entwickelt sein
Gattungsvermögen." (K. Marx, Kapital I. MEW 23, 349) "Mit der
Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft ist die
Warenproduktion beseitigt und damit die Herrschaft des Produkts über die
Produzenten ... Der Kampf ums Einzeldasein hört auf. Damit erst scheidet
der Mensch, in gewissem Sinn, endgültig aus dem Tierreich, tritt aus
tierischen Daseinsbedingungen in wirklich menschliche. Der Umkreis der die
Menschen umgebenden Lebensbedingungen, der die Menschen bis jetzt
beherrschte, tritt jetzt unter die Herrschaft und Kontrolle der Menschen,
die nun zum ersten Male bewusste, wirkliche Herren der Natur, weil und
indem sie Herren ihrer eigenen Vergesellschaftung werden. Die Gesetze
ihres eigenen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie
beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen
mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht. Die eigene
Vergesellschaftung der Menschen, die ihnen bisher als von Natur und
Geschichte aufgezwungen gegenüberstand, wird jetzt ihre eigene freie Tat.
Die objektiven, fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten,
treten unter die Kontrolle der Menschen selbst. Erst von da an werden die
Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewusstsein selbst machen, erst von da
an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen
vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten
Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reiche der
Notwendigkeit in das Reich der Freiheit." (F. Engels Anti-Dühring, MEW 20,
264) "Der Kommunismus unterscheidet sich von allen bisherigen Bewegungen
dadurch, dass er die Grundlage aller bisherigen Produktions- und
Verkehrsverhältnisse umwälzt und alle naturwüchsigen Voraussetzungen zum
ersten Mal mit Bewusstsein als Geschöpfe der bisherigen Menschen
behandelt, ihrer Naturwüchsigkeit entkleidet und der Macht der vereinigten
Individuen unterwirft." (K. Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 70)